Donnerstag, 2. Juli 2015

20 JAHRE AIR MAX 95

In dieser Saison feiert der Nike Air Max 95 seinen 20. Geburtstag. Wie kein anderer stellte der Schuh sämtliche Paradigmen der Performance-Laufwelt auf den Kopf und strotzte mit seinen prägnanten, neongelben Farbakzenten nur so vor Selbstbewusstsein – als ahnte er bereits wie beliebt er bald sein wird. Dank seines eigenwilligen Designs stach der Air Max 95 aus der Menge hervor und zog schnell alle Blicke auf sich.

Der Nike Footwear Designer Sergio Lozano war der Erfolgsgarant für das Modell. Von Beginn an vertraute er auf seine eigenen Qualitäten und die seines Teams und sorgte dafür, dass der Air Max 95 es – entgegen aller Kritik – in die Produktion schaffte. Einfach war dieser Weg nicht.

Ähnlich wie das Design des Air Max 1, stieß auch Lozanos Entwurf auf Widerstand. „Die erste Präsentation des Air Max 95 Konzepts war alles andere als ein Erfolg. Einige Leute fanden ihn gut, andere wiederum mochten ihn gar nicht”, erinnert sich Lozano, wenn er an die Hindernisse denkt, die ihm während des Designprozesses begegneten. Doch dank der Unterstützung seines Teams blieb Lozano seiner Vision treu und entwickelte einen Sneaker, der dem Erbe der Air Max Familie alle Ehre machen sollte.
„Einige großartige Befürworter standen hinter der Idee. Ohne sie wäre der Schuh niemals produziert worden”, erklärt Lozano bescheiden.
Riskantes Geschäft
In den 90ern musste Nike Running viel von seiner Coolness an das rasant wachsende Nike Basketball Segment abtreten. Die steigende Popularität von Basketball definierte die Vision des Sportstyles einer ganzen Generation – das Nike Running Team wusste, dass es an der Zeit für Neuerungen war. Das Air Max 95 Projekt sollte an die Erfolge der späten 70er und frühen 80er anschließen und die Energie zu dieser Zeit beleben. Es musste etwas Mutiges, Provokatives und Ungewöhnliches her, etwas, dass es in diesem Segment bis dato nicht gegeben hatte.
„Das Running-Team wollte ein Risiko eingehen und die Dinge aus neuen Blickwinkeln betrachten. Ich glaube, dieses Risiko war ich”, erinnert sich Lozano.
Bahnbrechende Entwicklung
Vor 1994 hatte Lozano noch nie an einem Running-Produkt gearbeitet, da sein Hauptfokus auf Tennis, Training und ACG (All Conditions Gear) lag. Die plötzliche Veränderung war damals nichts Ungewöhnliches, denn der Kreis der Nike-Designer war sehr viel kleiner und man arbeitete häufig in unterschiedlichen Kategorien. Nur vier Jahre nachdem die Karriere des jungen Lozano bei Nike begonnen hatte, leitete er das neueste Air Max Projekt – seine konzeptionelle Reise hatte zu diesem Zeitpunkt allerdings längst begonnen. An einem regnerischen Nachmittag, lange bevor er in das Air Max Projekt eingebunden wurde, kam Lozano bei einem Spaziergang durch Beaverton eine interessante Idee. 
„Ich schaute über den See in die Bäume und beobachtete, wie der Regen auf den Boden prasselte und die Erde dabei abtrug. Ich stellte mir vor wie es wäre, wenn das perfekte Produkt durch eine ähnliche Erosion freigelegt werden würde”, erzählt Lozano. 
Er machte ein paar schnelle Skizzen von Reliefs, die den Wänden des Grand Canyon ähnelten und verstaute die Zeichnungen in seiner Ideen-Schublade.

Die Verkörperung von Inspiration
Um der Air Max Familie neues Leben einzuhauchen, mussten andere Denkweisen her. Lozano ging buchstäblich ein Licht auf, als er sich die Zeichnung des verregneten Tages zurück in sein Gedächtnis rief. Anhand dieser Skizzen, die ihm als erste Entwürfe dienten, entwickelten Lozano und sein Team die Idee von sichtbarem Air im Vorderfußbereich – ihren Fokus setzten sie dabei auf die ultimative luft-gefederte Dämpfung, die Läufern noch mehr Schutz garantierte.

Ungeachtet dieses ersten Fortschritts, blieb eine Frage für Lozano unbeantwortet: „Ich erinnerte mich an etwas, dass Tinker Hatfield bei der Arbeit an anderen Projekten immer wieder erwähnte: "Okay, das ist ein großartiges Design, aber was genau ist deine Story?” Die Antwort auf seine Frage fand Lozano in Anatomie-Büchern in der Nike Design-Bibliothek. Er war angetan vom Zusammenhang zwischen der Konstruktion des menschlichen Körpers und den Grundlagen des Produktdesigns. 
Alles was ich zu tun hatte war die Verbindungen heraussuchen, die am meisten Sinn ergaben.”
Inspiriert von menschlichen Rippen, der Wirbelsäule, Muskeln und Haut entstand der erste Prototyp des Air Max 95. 

Wenn es leicht ist, lohnt es sich nicht

Die größte Stärke des Air Max 95, seine Individualität, war zugleich seine größte Hürde. Die Ästhetik des Schuhs war so ungewöhnlich, dass einige an seinem Potenzial zweifelten. „Die einen liebten ihn, die anderen hassten ihn. Aber genau dann, wenn ein Produkt so unterschiedliche, sehr emotionale Reaktionen hervorruft, bist du meistens auf dem richtigen Weg”, erklärt Lozano. Anfangs verzichtete das progressive Design völlig auf den Swoosh. Dieses Detail in Kombination mit zwei weiteren Neuerungen – dem sichtbaren Air im Vorderfußbereich und einer schwarzen Außensohle – bot Kritikern eine gute Angriffsfläche. Entgegen aller Zweifel, glaubten Lozano und sein Team fest an den Erfolg des Designs und setzten das Projekt in die Tat um. Die Frage nach dem kaum vorhandenen Swoosh weckte Lozanos Kampfgeist. „Wir finden, dass Nike als Marke deutlich erkennbar ist und das Design für sich spricht. Warum sollten wir ihn brauchen? Wir hatten doch schon das Konzept des sichtbaren Air, das nun erstmals im Vorderfußbereich zum Einsatz kommen sollte.“ Zudem stellte sich die Frage nach der Platzierung des Swooshs. Das Design des Schuhs erlaubte es nicht, ihn wie gewohnt seitlich auf dem Upper zu platzieren, da dies den Charakter des Modells gestört hätte. Schließlich wurde der Swoosh im hinteren Bereich des Uppers platziert: „Wir haben den Swoosh als zusätzlichen Akzent betrachtet”, erklärt Lozano rückblickend.

Im Zuge des fortschreitenden Designprozesses des Air Max 95 musste eine Entscheidung hinsichtlich der Farben des Launch-Modells gefällt werden. Ursprünglich wollte Lozano die Farben ähnlich funktional halten, wie den gesamten Schuh. „Wenn es in Oregon regnet, geht man auf Trampelpfaden laufen und nach einigen Metern sehen die Schuhe ziemlich mitgenommen aus – ich wollte das ein bisschen kaschieren.” Lozanos beständiges Selbstvertrauen wurde ein weiteres Mal auf die Probe gestellt, als er sich für ein Grau als dominierende Farbe entschied. „Mir wurde gesagt, dass sich Grau nicht verkauft – das habe ich als Herausforderung genommen.” Dunkelgrau und Schwarz wurden im unteren Teil des Schuhs eingesetzt, wo sich Schmutz am häufigsten sammelt. Im oberen Bereich wurden hellere Schattierungen eingesetzt. Die Verwendung von unverkennbarem Neongelb verweist auf Nikes Erbe im Running-Bereich – es erinnerte an die starke Sichtbarkeit von Spikes bei Sprintern aber auch an die Farbe der Warnflaggen bei Cross-Country-Läufen.

Mit einer unermüdlichen Ausdauer kämpften sich Lozano und sein Team durch sämtliche
Rezensionen, bis der Air Max 95 schließlich in Produktion gehen konnte. Lozanos Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Von London bis New York und darüber hinaus – der Schuh wurde alsbald zum Synonym neu aufkeimender Musikbewegungen, deren eigensinnige, charakteristische Klänge perfekt zu der kompromisslosen Ästhetik des Sneakers passten. Unterschiedliche Jugendkulturen entdeckten den Air Max 95 für sich und das Modell avancierte zu einem unverzichtbaren Style-Item.
Das Glücksspiel von Nike Running wurde belohnt: der Platz im Footwear-Bereich wurde wieder gestärkt und die Fantasie junger Designer weltweit beflügelt. Jetzt, im reifen Alter von 20 Jahren, beeinflusst Sergio Lozanos Konzept noch immer ungebrochen das zeitgenössische Design.
Fotocredit: Nike

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