Mittwoch, 14. August 2013

winners & losers flow festival helsinki 07.08 - 11.08

Unser alter freund michael h. k. aka michi war 5 tage in helsinki auf dem flow festival. neben der guten musik schwärmte er von den schönen frauen und dem tollen vibe des festivals. 
er hat sich echt für seinen bericht ins zeug gelegt! vielen dank michi! 


loser - the knife habitual show

das konzept dieser show hier zu debattieren, kommt für mich nicht in frage, zu oft wurden die verschiedenen aspekte ausführlich besprochen. das problem war an diesem abend, dass die überraschungsmomente fehlten. beim konzert in köln gab es diesen einen magischen moment, als nach dem letzten song "silent shout" das licht von der bühne aufs publikum schwenkte, eine tänzerin dann weiter auflegte, so dass noch ca. 1,5 stunden die show und party fortgesetzt wurde. die stimmung wurde von der bühne ins publikum transportiert. dieser moment fehlte an diesem abend. the knife haben ein wenig (bewusst) an glanz verloren, die show hätte besser ins rahmenprogramm gepasst, für ein eröffnungskonzert war das zu wenig. der abend war auch überraschenderweise nicht ausverkauft.

winner: atom hd

schon in barcelona beim sónar war atom hd (aka uwe schmidt) eines meiner highlights des gesamten festivals. in helsinki war er der zweite künstler, der dieses festival auf der "other stage" eröffnen durfte. seltsamerweise störte es wenig bis gar nicht, dass die meisten zuschauer das konzert sitzend vom boden verfolgten, das sieht das konzept der other stage vor.
im direkten vergleich zu bcn war das set experimenteller und erwartet perfekt in der live umsetzung. es macht spass, in die zum teil sehr jungen gesichter zu sehen, die durch weiterentwicklung und die darbietung der lieder, in eine völlig neue unbekannte musikwelt abtauchen. exemplarisch ging ein besucher nach der show zu uwe an die bühne und bedankte sich persönlich. uwe schmidt ist eine symbiose der deutschen elektronischen musikszene - diesen titel hat er sich verdient.

loser: preise

das festivalticket war für ein 3 tagespass plus opening konzert mit 189€ angemessen. die preise für etwas warmes zu essen sind aber richtig hot, man bezahlt beispielsweise für eine falafel (die zugegeben sehr lecker war) 8€ oder für nen burger mindestens nen 10er. auch die getränkepreise für softdrinks liegen mit 4€ im oberen bereich. das alkohol im norden übertrieben teuer ist, sollte bekannte sein, insgesamt ist dieses festival in den nebenkosten jedoch eine ziemlich teuere angelegenheit. die qualität der angebotenen speisen ist aber sehr hoch. es gibt zudem kostenlose wasserstellen.

winner: moderat

wie sehr beide bands hier voneinander profitieren ist erstaunlich. modeselektor sind nicht so agressiv (das meine ich durchaus positiv) und sascha ring ist nicht so verträumt (das meine ich durchaus positiv) wie auf ihren homeshows, es entstehen wunderbare popsongs, die auch auf der bühne funktionieren. die show ist nicht überladen, das zusammenspiel passt, da zünden sich auch mal alle drei gleichzeitig ne kippe an, ohne dass es plakativ wird. die visuals der pfadfinderei sind keine besonderheit, gut so, auch hier ist weniger mehr. endlich gibt's bei gernot & szary keinen champagner mehr, dafür mehr authentizität. der heimliche gewinner der show ist sascha ring von apparat, der sich nicht in den mittelpunkt stellt, es jedoch von der ersten bis zur letzten sekunde genießt, dort zu stehen. das hat spaß gemacht.

winner: factory floor

sehr undankbar war es für die schon 2005 gegründete band aus london fast gleichzeitig gegen die headliner nick cave & the bad seeds und my bloody valentine angesetzt zu werden, so verwunderte es mich nicht, das nur wenige den weg ins recht große black tent zelt gefunden haben. um es direkt zu sagen - es war für mich der beste auftritt der gesamten 4 tage. die band benutzt während des auftritts ein schlagzeug, synthesizers und noise, das ergebnis jedoch, ist post industrial vom feinsten. der erste song ging alleine schon 20 minuten, ich am schlagzeug wäre danach platt. von der ersten bis zur letzten minute hat es mich gepackt, intensiv und ins herz. da im september nun endlich ihr debüt album erscheint, hoffe ich auf eine große resonanz, diese band müssen mehr menschen sehen.

winner: mount kimbie

es gibt sie noch - die konzertansager. ich konnte zwar auf finnisch den gewollt lustigen kerl nicht wirklich verstehen, es schämten sich jedoch ziemlich viele fremd, nun sagte er zum ende den bandnamen auch noch falsch an: mount kimble! ob es an meinem körperlichen und geistigen zustand lag, aber ich fand den auftritt authentisch, wie beispielsweise den einsatz der gitarre, was ich in dieser darbietung als guten mehrwert sehe. die beiden können ihre instrumente perfekt bedienen.

loser - haim

warum ich von gitarrenmusik die schnauze voll habe - haim sind dafür ein gutes beispiel. die band liefert ein super solides rockn roll konzert ab, das eigentliche problem dabei, man fühlt sich wie bei kings of leon. das hier ist musik für die unkritische masse. die gesichtsakrobatik, die aussagen "best festival we've ever played", das gewollte stimmung machen - nicht mein verständnis. aber diese band wird in zukunft große hallen füllen.

loser - disclosure

die beiden jungen herren haben ein zurecht gefeiertes debüt album rausgehauen, das jedochan diesem abend auch adäquat zu präsentieren, gelang ihnen nicht. es reicht einfach nicht die songs nur digital abzuspielen und dazu ein wenig die drummaschiene zu bedienen. ob die beiden zufrieden damit sind so austauschbar zu sein? oder liegt es an dem sehr jungen alter der beiden? eine lange haltbarkeit wird das alles nicht haben.

winner - grimes

die nokia tent blue stage war selten so voll, wie beim abschließenden auftritt von claire boucher aka grimes. ob nervösität oder hyperaktivität, die sängerin zappelt an ihren keyboards nur fragmente, die stimme ist dazu mit extrem viel effekt ausgestattet - und es macht spaß sich das anzusehen. grimes lächelt das konzert über, sie freut sich über den großen zuspruch, sie spielt sich selbst in einen rausch. der hype hält zurecht an, ihr album ist schon lange draußen, man wünscht sich langsam ein zweites. ein guter abschluss, ein wenig intimer wäre noch schöner gewesen.

winner - kraftwerk

das publikum in helsinki ist ruhig aber sehr aufmerksam - ideal für die band und eine perfekte besetzung dieses festivals. kraftwerk sind immer noch ein absoluter gewinn eines jeden festivals.

fazit: das flow festival hat meine erwartungen übertroffen. die menschen sind schön, das line up abwechslungsreich, die toiletten immer sauber. die rbma backyard stage, wo hauptsächlich elektronische musik gespielt wird, gilt es in zukunft auszubauen, das potential ist da. bei den auftritten von tensnake und maja jane coles war es zu voll, die bühne zu klein, der andrang zu groß. aber die veranstalter dürfen das perfekte gelände nie verlassen. ob boiler room, lounge, kinosaal, other sound stage - alles mit liebe zum detail. das flow ist kein reines musikfestival, es geht um kunst, musik und eine gute zeit. es ist ausserdem bequem nicht zelten zu müssen. sonntags dürfen die kinder der eltern sogar umsonst aufs festivalgelände.

wenn es nacht wird in suvilahiti und die kilometerlangen lichterketten das festival in ihrem glanz erstrahlen, ist man spätestens dann dem charme von helsinki erlegen.




bilder und text: michael h. k. 




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